Wie viel Regenwasser fällt an? Ertrag berechnen
Regenwasser ist eine reichliche, kostenlose Ressource – wenn man weiß, wie man sie quantifiziert. Die verfügbare Wassermenge errechnet sich nach einer einfachen Formel:
Wobei:
- VRW = Jahresertrag Regenwasser [m³/a]
- AD = Dachauffangfläche [m²]
- hN = Jahresniederschlag [mm/a]
- ψ = Ablaufbeiwert (Neigung, Material, Verschmutzung)
- ηF = Filtereffizienz (Feinfilter, Sedimentabscheider)
Beispiel: Ein 100 m² Dach in München mit 600 mm/a Niederschlag:
- AD = 100 m²
- hN = 600 mm/a = 0,6 m
- ψ = 0,8 (Ziegeldach, gute Neigung)
- ηF = 0,9 (Standard-Feinfilter)
Das sind etwa 118 Liter pro Tag – eine beachtliche Menge!
Regionale Niederschläge in Deutschland:
- Norddeutschland (Bremen, Hamburg): 700–800 mm/a
- Zentraleuropa (München, Stuttgart): 600–700 mm/a
- Alpenvorland (Berchtesgaden): 1.800+ mm/a (sehr hoch)
- Trockengebiete (Berlin, Dessau): 500–550 mm/a
Nutzungspotenzial – Wo geht das Wasser hin?
Nicht alle Wasserverbraucher im Haus eignen sich für Regenwasser. Die Norm TrinkwV untersagt die Verwendung für Trinkwasser, aber es gibt vier klassische Nutzungen:
1. WC-Spülung (größtes Potenzial)
- Ein WC verbraucht 6–10 Liter pro Spülgang
- Bei 4 Personen × 5–6 Spülungen/Tag = 30–50 Liter/Tag
- Jahresverbrauch: ~12.000–18.000 Liter/a
- Substitutionsgrad: 100 % möglich (separate Leitung erforderlich)
2. Wäschewaschmaschine
- Eine Ladung benötigt 50–100 Liter (je nach Maschinentyp)
- 4 Personen: ~3–4 Ladungen/Woche = 150–200 Liter/Woche = 8.000–10.000 Liter/a
- Substitutionsgrad: 100 % möglich
3. Außenbewässerung (saisonal)
- Gartenwässerung im Sommer: 200–400 Liter/Tag (je nach Trockenheit)
- 3–4 Monate intensiv = 18.000–50.000 Liter/Saison
- Substitutionsgrad: 80–100 % möglich (Regenfälle im Sommer reduzieren Bedarf)
4. Reinigung (Autos, Terrasse, Fenster)
- Gelegentlich, ca. 2.000–3.000 Liter/a
- Substitutionsgrad: 100 % möglich
Gesamtes Substitutionspotenzial:
- WC + Wäsche + Außenbewässerung = 35.000–65.000 Liter/a
- Typischer Trinkwasserbedarf (ohne Heizen): 120–150 Liter/Person/Tag = 175.000–220.000 Liter/a
- Substitutionsgrad: 25–40 % des Gesamtbedarfs ist realistisch
Mit unserer Beispielanlage (43 m³/a Ertrag) können etwa 40–50 % des Warmwassers + ca. 25 % des Frischwassers ersetzt werden.
Speichervolumen dimensionieren
Die richtige Größe der Zisterne ist entscheidend: Zu klein → regelmäßige Notentleerungen und schlechte Ausnutzung; zu groß → unnötige Kosten und Platzverbrauch.
Methode 1: Faustregel (einfach)
Speichergröße = 50–100 % des monatlichen Wasserverbrauchs der geplanten Nutzungen
- WC + Wäsche: 500–1.500 Liter/Monat
- Mit Gartenbewässerung: 2.000–4.000 Liter/Monat
- Faustformel: Zisterne DN 3.000–5.000 Liter für typisches EFH
Methode 2: DIN 1989-1:2002 Rechenmethode (normgerecht)
DIN 1989-1 definiert die Auslegung nach monatlichen Bilanzrechnungen:
- Monatlicher Niederschlagsertrag: VRW,m = AD × hN,m × ψ × ηF [m³]
- Monatlicher Wasserbedarf: VB,m [m³]
- Speichergröße wählen, sodass VS zwischen Mindestverhältnis und Maximalverhältnis liegt
Vereinfacht: S = (VRW,a × 0,5) bis (VRW,a × 0,8)
Für unsere 43 m³/a: S = 21–34 m³ wären überdimensioniert für typische Nutzung.
Realistisch für WC + Wäsche: S = 3.000–5.000 Liter (3–5 m³)
Kostenbetrachtung – Investition und Amortisation
Eine komplette Regenwassernutzungsanlage mit 5.000 L Speicher kostet typischerweise:
| Position | Kosten (EUR) | Bemerkung |
|---|
| Zisterne (PP/Kunststoff, 5.000 L) | 1.500–2.500 | Einbau im Keller oder Erdtank |
| Dachrinnen-Umleitung & Filter | 200–500 | Feinfilter, Sedimentabscheider |
| Hauswasserwerk (Kreiselpumpe) | 300–600 | 24 L/min, ~1.5 kW |
| Druckhaltung & Steuerung | 200–400 | Druckschalter, Rückschlagventil, Überflutventil |
| Rohrleitungen (WC, Wäsche) | 300–600 | Kunststoff-Rohre, Leitungsführung |
| Installation & Hydraulik | 1.000–2.000 | Fachbetrieb-Arbeit |
| Genehmigung & Abnahme | 100–300 | Je nach Gemeinde |
| GESAMTBUDGET | 3.600–7.400 € | Durchschnitt: 5.000–5.500 € |
Laufende Kosten:
- Stromverbrauch Hauswasserwerk: ~200–300 kWh/a = 40–70 € pro Jahr
- Wartung & Filter: ~100–150 € alle 2–3 Jahre
- Jährliche Betriebskosten: ca. 100–120 €
Amortisationsberechnung:
Mit einem Trinkwasserpreis von 2,00–3,50 €/m³ (Frischwasser + Abwasser kombiniert) und einer Einsparung von 35–45 m³/a:
Das klingt lang! ABER:
- Mit höheren Wasserpreisen (ab 2030 wahrscheinlich 3,50–4,00 €/m³) sinkt die Amortisation auf 30–35 Jahre
- Die Betrachtung oft blendet Umweltvorteile (CO₂-Einsparung, Entlastung des Abwassersystems) aus
- Eine Zisterne ist ein langfristiges Asset (50+ Jahre Lebensdauer)
Fazit: Regenwassernutzung ist wirtschaftlich marginal, aber ökologisch sinnvoll. Für kommunale Gebäude und Gewerbebetriebe mit höherem Wasserverbrauch ist die Amortisation deutlich besser (10–15 Jahre).
DIN EN 12056-2:2000 – Entwässerung und Bemessung
Die DIN EN 12056 regelt die Entwässerung von Gebäuden, einschließlich Regenwasserleitungen. Wichtige Punkte:
Bemessungsabfluss:
Der Bemessungsabfluss für Dachflächen berechnet sich nach:
Wobei id die Bemessungsintensität (abhängig von Rückgangshäufigkeit, typisch 300 l/(s × ha) für 5-jähriges Ereignis).
Überflutungsschutz:
Die Zisterne muss einen Überlauf haben, der überschüssiges Wasser in die Kanalisation oder direkt in den Gartenboden ableitet. Der Überlauf muss mindestens den Bemessungsabfluss abführen können.
Rohrdimensionierung:
Fallrohre DN 63–100, Sammelrohre DN 100–150, abhängig von Dachfläche und Niederschlagsintensität.
TrinkwV-Pflichten: Kennzeichnung und Rückflussverhinderung
Eine Regenwasseranlage ist zwar praktisch, unterliegt aber strikten hygienischen Vorschriften:
1. Kennzeichnung:
Alle Entnahmestellen und Rohre für Regenwasser müssen deutlich gekennzeichnet sein: "Kein Trinkwasser" (oder mit Piktogramm nach ISO 1219).
2. Rückflussverhinderung (nicht mischbarer Stoff):
Es darf keine Verbindung zwischen Regenwasser- und Trinkwasserleitungen bestehen. Das ist nicht verhandelbar. Auch beim Wechsel von Wasserquellen (z. B. Manueller Umschaltung auf Stadttrinkwasser bei leerer Zisterne) braucht es sichere Ventile.
3. Separate Leitungsführung:
Die Regenwasserleitungen zu WC und Waschmaschine müssen räumlich getrennt von Trinkwasserleitungen verlegt sein – nicht in gemeinsamen Schächten oder Rohrbündeln.
4. Genehmigung:
In vielen Bundesländern (z. B. Bayern, Baden-Württemberg) ist eine Genehmigung oder zumindest eine Anmeldung beim Wasserwirtschaftsamt erforderlich. In anderen Bundesländern gibt es Selbstmeldepflichten. Dies ist immer vor Baubeginn zu klären.
Fördermöglichkeiten
Leider gibt es derzeit keine bundesweit flächendeckende Förderung für private Regenwassernutzungsanlagen. ABER:
Kommunale Programme (unterschiedlich je Gemeinde):
- Manche Städte (z. B. Frankfurt, München) bieten Zuschüsse von 10–30 % für Zisternen-Installation
- Bedingung: Oft Rückhaltvolumen oder Entsiegelung (Versickerung statt Abwasserkanal)
Wasserwirtschaftliche Verbände:
- Regionale Zweckverbände geben teils Zuschüsse für Vorhaben, die die Abwasserbelastung reduzieren
KfW und BAFA:
- Die energetische Sanierung ist förderfähig (Bundesförderung für effiziente Gebäude, BEG)
- Regenwassernutzung ist als Maßnahme einzeln nicht im Katalog, aber im Kontext von "nachhaltigen Sanierungen" teilweise anrechenbar
Best Practice: Vor Planung immer bei der Gemeinde nach lokalen Zuschüssen fragen!
Häufige Fragen
Darf ich Regenwasser für die Toilettenspülung nutzen?
Ja, die TrinkwV erlaubt dies unter strikten Bedingungen: separate Leitung, Kennzeichnung, Rückflussverhinderung, sichere Speicherung. Es ist sogar eine gute Idee – WC-Spülungen brauchen kein Trinkwasser-Niveau.
Wie groß muss meine Zisterne für ein Einfamilienhaus sein?
Für WC und Wäsche: 3.000–5.000 Liter. Mit Gartenbewässerung: 5.000–8.000 Liter. Größer ist nicht immer besser – eine zu große Zisterne bringt geringere Auslastung und Stagnationsrisiko. Besser: Nach DIN 1989-1 mit realen Monatsbilanzrechnungen auslegen.
Brauche ich eine Genehmigung für eine Regenwassernutzungsanlage?
Das ist regional unterschiedlich. In Bayern und Baden-Württemberg: Ja, Anmeldung beim Wasserwirtschaftsamt. In Hessen, Nordrhein-Westfalen: Teilweise Selbstmeldepflicht. In Berlin: Förderung für Zisternen, aber auch Anmeldung. Immer zuerst die Untere Wasserbehörde fragen – Sanktionen bei fehlender Anmeldung können empfindlich sein.
Wie viel Trinkwasser spare ich mit einer Regenwasseranlage?
Mit einer 5.000 L-Zisterne und 40 m³/a Ertrag können Sie etwa 25–40 % Ihres Trinkwasserbedarfs ersetzen. Das entspricht einer Einsparung von 20–30 m³/a oder etwa 50–75 € pro Jahr bei aktuellen Wasserpreisen.
Nächste Schritte
Regenwassernutzung ist nicht nur eine finanzielle Investition, sondern auch eine ökologische Aussage: Sie entlasten den Abwasserkanal, reduzieren Überschwemmungen und sparen kostbare Trinkwasser-Ressourcen. Mit Mepbau können Sie Ihre komplette Sanitäranlage normkonform planen – inklusive Regenwassernutzung, WC-, Wäsche- und Bewässerungsleitungen nach DIN 1988-300 und DIN EN 12056.
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