Wärmepumpen-Inbetriebnahme: Der kritische erste Schritt
Eine Wärmepumpe, die falsch in Betrieb genommen wird, kann über Jahre mit suboptimaler JAZ laufen — ohne dass der Betreiber es merkt. Falsche Heizkurve, falscher hydraulischer Abgleich, zu hohe Sollwerte für Warmwasser oder fehlende Nachtabsenkung können die JAZ um 0,5–1,0 senken — das entspricht 500–1.500 kWh/Jahr mehr Stromverbrauch.
Diese Checkliste gibt SHK-Betrieben und Hauseigentümern einen strukturierten Überblick über alle Schritte einer korrekten Inbetriebnahme und zeigt die häufigsten Fehler.
Phase 1: Vor der Inbetriebnahme — Checkliste Montage
Außeneinheit (LWWP)
Kältemittelkreis und Kälteleitungen
Hydraulische Einbindung
Heizwasser und Füllung
Phase 2: Erstinbetriebnahme — Einstellungen am Regler
Grundeinstellungen
Die Regler-Einstellungen sind entscheidend für die JAZ. Die meisten Probleme entstehen hier — durch falsche Grundeinstellungen, die der Erstbetrieb nicht sofort offenbart.
Betriebsmodus:
Heizkurve (Witterungsführung) einstellen:
Die Heizkurve bestimmt, bei welcher Außentemperatur welche Vorlauftemperatur gefahren wird. Dieser Parameter hat den größten Einfluss auf die JAZ:
| Außentemperatur | Fußbodenheizung | Niedertemp.-HK | Standard-HK |
|---|
| +15°C | 25–28°C | 30–35°C | 40–45°C |
| +5°C | 28–32°C | 35–42°C | 45–55°C |
| –5°C | 32–38°C | 40–48°C | 52–62°C |
| –12°C (Auslegung) | 35–42°C | 45–55°C | 58–70°C |
Trinkwarmwasser (TWW):
Taktschutz und Laufzeit:
Hydraulischer Abgleich Funktionsprüfung
Phase 3: Erster Vollbetrieb — Beobachtung und Feinabstimmung
Erste 24 Stunden
Erste Woche: Heizkurven-Optimierung
Die Heizkurve muss nach dem ersten Kaltstart feinjustiert werden:
Indikator "Heizkurve zu steil" (zu warm):
- Thermostatventile immer vollständig geschlossen
- Räume überhitzen auch bei moderaten Außentemperaturen
- Vorlauftemperatur deutlich über Auslegungstemperatur
Indikator "Heizkurve zu flach" (zu kalt):
- Räume erreichen Solltemperatur bei Außentemperatur > 0°C nicht
- Thermostatventile permanent vollständig offen
- Bei Extremkälte zu wenig Heizleistung
Optimierungsziel: Heizkurve so flach wie möglich einstellen, dass bei Auslegungstemperatur gerade die Raumtemperatur erreicht wird — dann ist die Vorlauftemperatur minimal und die JAZ maximal.
Häufige Fehler bei der Inbetriebnahme
Fehler 1: Heizkurve zu steil eingestellt (häufigster Fehler)
Problem: Der Heizungsmonteur stellt die Heizkurve "auf sicher" — also zu hoch. Die WP fährt 50°C Vorlauf, obwohl 38°C ausreichend wären. Die JAZ sinkt von 4,2 auf 3,1 — das ist 35 % mehr Stromverbrauch.
Lösung: Heizkurve schrittweise absenken (1°C/Tag) über 2–3 Wochen. Beobachten, ob Räume noch die Zieltemperatur erreichen. Erst wenn Räume kühler werden, ist der untere Grenzwert gefunden.
Fehler 2: TWW-Solltemperatur zu hoch
Problem: TWW auf 65°C eingestellt "für Sicherheit". Aber ab 55°C ist die Legionellensicherheit mit wöchentlichem 60°C-Zyklus gewährleistet. Höhere Grundtemperatur bedeutet schlechtere JAZ beim TWW-Betrieb.
Lösung: TWW-Solltemperatur auf 55°C setzen, wöchentliche 60°C-Legionellenfunktion aktivieren.
Fehler 3: Kein hydraulischer Abgleich
Problem: Die WP liefert Wärme, aber ein Großteil landet in den nächsten Räumen, weit entfernte Räume bleiben kalt. Die WP läuft bei höherer Vorlauftemperatur, um die kalten Räume zu heizen — obwohl die warmen Räume schon überheizt sind.
Lösung: Hydraulischen Abgleich nach Verfahren B durchführen (raumweise Heizlastberechnung und Volumenstrom-Einstellung).
Fehler 4: Anti-Legionella-Funktion zu häufig
Problem: TWW wird täglich auf 60°C aufgeheizt. Jeder Aufheizvorgang auf 60°C kostet WP-Strom und senkt den Pufferspeicher für Heizzwecke. Täglich ist 7× häufiger als nötig.
Lösung: Legionellenschutz 1× pro Woche programmieren (z.B. Sonntag früh 3 Uhr).
Fehler 5: Kein Frostschutz im Kondensatablauf
Problem: Bei LWWP entsteht bei niedrigen Außentemperaturen Eis am Verdampfer (Abtaubetrieb) — das Kondenswasser muss ablaufen. Wenn der Ablauf vereist ist, staut sich Wasser zurück und kann die Außeneinheit beschädigen.
Lösung: Kondensatablaufleitung frost-frei verlegen oder Heizkabel im Ablaufrohr installieren.
Fehler 6: Fehlende oder falsch platzierte Fühler
Problem: Außentemperaturfühler in der Sonne montiert → zu hohe Scheintemperatur → Heizkurve regelt falsch. Rücklauftemperaturfühler zu weit von der WP entfernt → verzögerte Regelung.
Lösung: Fühler laut Herstellervorgabe montieren: Außentemperaturfühler an Nordseite, schattiert, mindestens 2 m über Boden.
Protokoll-Vorlage: Inbetriebnahme-Protokoll
Nach der Inbetriebnahme sollte ein vollständiges Protokoll erstellt werden:
| Parameter | Istwert | Sollwert | OK? |
|---|
| Kältemittel-Art | — | Laut Typenschild | ☐ |
| Kältemittel-Menge | — kg | Laut Typenschild | ☐ |
| Systemdruck kalt | — bar | 1,5–2,5 bar | ☐ |
| pH-Wert Heizwasser | — | 7,5–9,0 | ☐ |
| Leitfähigkeit Heizwasser | — µS/cm | < 100 µS/cm | ☐ |
| Vorlauftemperatur bei θ_e | — °C | Laut Heizkurve | ☐ |
| Rücklauftemperatur | — °C | VL – 5–10 K | ☐ |
| Spreizung ΔT | — K | 5–7 K (FBH) | ☐ |
| TWW-Solltemperatur | — °C | 55°C | ☐ |
| Nachtabsenkung | — °C | –3 bis –5 K | ☐ |
| Legionellen-Funktion | Eingestellt | 1×/Woche 60°C | ☐ |
| Heizkurve Steilheit | — | Gebäudeabhängig | ☐ |
| Hydraulischer Abgleich | Durchgeführt | Verfahren B | ☐ |
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe?
Für eine typische LWWP im EFH (Pufferspeicher, ein Heizkreis, TWW) dauert die Inbetriebnahme 2–4 Stunden. Die Feinabstimmung der Heizkurve erfolgt in den ersten 1–2 Wochen nach Inbetriebnahme.
Wer darf eine Wärmepumpe in Betrieb nehmen?
Die Kältetechnik-Inbetriebnahme (Kältemittelkreis) darf nur von Fachbetrieben mit Sachkundeausweis nach EU-Verordnung 2015/2067 durchgeführt werden. Die Heizungsseite kann vom SHK-Fachbetrieb durchgeführt werden. Hersteller-Service ist bei vielen Premium-Geräten verpflichtend und muss koordiniert werden.
Wie erkenne ich, dass meine WP effizient läuft?
Wichtigste Kenngröße: die Jahresarbeitszahl (JAZ). Moderne WP-Regler zeigen teils eine laufende Verbrauchsstatistik. Alternativ: Stromzähler für WP-Verbrauch + Wärmemengenzähler im Heizkreis. JAZ = Wärmemenge / Stromverbrauch. Zielwerte: LWWP/FBH ≥ 3,8; SWWP/FBH ≥ 4,5.
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