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Lüftungskonzept erstellen
Lüftungsberechnung nach DIN 1946-6 — automatische Stufen-Ermittlung.
Lüftungskonzept erstellenTaupunkt: Berechnung nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur, Bedeutung für Schimmelschutz, Wärmebrücken und Lüftungsplanung nach DIN 1946-6.
Lüftungsberechnung nach DIN 1946-6 — automatische Stufen-Ermittlung.
Lüftungskonzept erstellenDer Taupunkt ist die Temperatur, bei der Wasserdampf in der Luft zu kondensieren beginnt — also zu flüssigem Wasser wird. Wird eine Oberfläche unter den Taupunkt abgekühlt, schlägt sich Kondenswasser nieder. In Gebäuden führt dies zu Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung.
Der Taupunkt T_d hängt von der Lufttemperatur T und der relativen Luftfeuchtigkeit φ ab. Die vereinfachte Magnus-Formel nach WMO:
T_d = (243,04 × γ) / (17,625 – γ)
Mit: γ = ln(φ/100) + 17,625 × T / (243,04 + T)
Praktische Taupunkttabelle:
| Raumtemperatur | Rel. Feuchte | Taupunkt |
|---|---|---|
| 20 °C | 40 % | 6,8 °C |
| 20 °C | 50 % | 9,3 °C |
| 20 °C | 60 % | 12,0 °C |
| 20 °C | 70 % | 14,4 °C |
| 20 °C | 80 % | 16,4 °C |
| 22 °C | 60 % | 13,9 °C |
Schimmelpilze wachsen auf Oberflächen, sobald diese längere Zeit feucht sind. Kritisch ist eine Oberflächentemperatur unterhalb des Taupunkts — aber auch eine Oberflächentemperatur, die dauerhaft unter 12,6 °C liegt, kann bei üblicher Raumluft (20 °C / 50 % rF) Schimmel fördern.
| Oberflächentemperatur | Schimmelrisiko |
|---|---|
| > 17 °C | Gering (bei 20 °C / 60 % rF) |
| 12–17 °C | Erhöht |
| < 12 °C | Hoch — Schimmelwachstum wahrscheinlich |
| < Taupunkt | Kondenswasser, sicher Schimmel |
Norm: Nach DIN 4108-2 darf der Temperaturfaktor fRsi an Wärmebrücken nicht unter 0,70 fallen (Schimmelschutz bei normaler Nutzung).
Wärmebrücken — Stellen mit erhöhtem Wärmedurchgang durch Konstruktionsteile — sind besonders gefährdet, da die Oberflächentemperatur dort deutlich niedriger ist als an ungestörten Bauteilen:
| Wärmebrücken-Typ | Typische Oberflächentemperatur | Schimmelrisiko |
|---|---|---|
| Ungestörte Außenwand (U = 0,20 W/m²K) | 18–19 °C | Gering |
| Außenecke (unsaniert) | 14–16 °C | Erhöht |
| Rollladenkasten (alt) | 10–13 °C | Hoch |
| Betonbalkon-Einbindung (unsaniert) | 8–12 °C | Sehr hoch |
| Fensteranschluss (undicht) | < 10 °C | Sehr hoch |
Falsch geplante Lüftung kann Kondensat im Lüftungskanal und Wärmetauscher erzeugen. Besonders kritisch ist die Unterschreitung des Taupunkts im Gegenstrom-Wärmetauscher einer KWL-Anlage bei sehr kalten Außentemperaturen (< –5 °C). Lösungen:
Oberflächentemperatur mit Infrarot-Thermometer messen + Raumklima (Temp./rF) erfassen → Taupunkt berechnen oder ablesen. Liegt Oberflächentemperatur < Taupunkt, besteht akute Kondensationsgefahr.
Nach DIN EN ISO 7730 gilt 40–60 % relative Luftfeuchte als behaglicher Bereich. Unter 30 % trocknen Schleimhäute aus, über 65 % steigt das Schimmelrisiko deutlich.
Im Sommer kann feuchte Außenluft beim Lüften an kühlen Kellerwänden kondensieren — also Kontraproduktiv! Im Winter hingegen reduziert Stoßlüften die Raumluftfeuchtigkeit und senkt den Taupunkt.