Verwandte Begriffe
Lüftungskonzept erstellen
Lüftungsberechnung nach DIN 1946-6 — automatische Stufen-Ermittlung.
Lüftungskonzept erstellenLuftwechselzahl: n-Wert und n50-Wert, Blower-Door-Test nach DIN EN ISO 9972, Anforderungen GEG und Passivhaus, Einfluss auf Heizlast und Lüftungskonzept.
Lüftungsberechnung nach DIN 1946-6 — automatische Stufen-Ermittlung.
Lüftungskonzept erstellenDie Luftwechselzahl (Formelzeichen: n, Einheit: h⁻¹ oder 1/h) gibt an, wie oft das gesamte Luftvolumen eines Raumes oder Gebäudes pro Stunde ausgetauscht wird:
n = V̇_Luft / V_Raum
Wobei:
Eine Luftwechselzahl von n = 0,5 h⁻¹ bedeutet: Das halbe Raumvolumen wird stündlich durch Frischluft ersetzt.
Norm: DIN 1946-6 (Lüftungstechnisches Konzept, Mindest-Luftwechsel), DIN EN ISO 9972 (Blower-Door-Test, Luftdichtheitsmessung), GEG (Anforderungen Luftdichtigkeit)
Der n50-Wert (auch: Luftwechselzahl bei 50 Pa Druckdifferenz) ist das Ergebnis eines Blower-Door-Tests nach DIN EN ISO 9972 und beschreibt die Luftdichtigkeit der Gebäudehülle:
Messprinzip: Eine Ventilatorklappe wird in eine Außentür eingebaut und erzeugt eine Druckdifferenz von 50 Pa zwischen innen und außen. Der gemessene Luftvolumenstrom dividiert durch das Gebäudevolumen ergibt n50.
| Gebäudetyp / Anforderung | n50-Grenzwert | Norm |
|---|---|---|
| GEG 2024 Neubau (ohne Lüftungsanlage) | ≤ 3,0 h⁻¹ | GEG § 26 |
| GEG 2024 Neubau (mit Lüftungsanlage) | ≤ 1,5 h⁻¹ | GEG § 26 |
| KfW-Effizienzhaus 55 | ≤ 1,5 h⁻¹ | KfW-Anforderungen |
| KfW-Effizienzhaus 40 | ≤ 1,0 h⁻¹ | KfW-Anforderungen |
| Passivhaus-Standard (PHI) | ≤ 0,6 h⁻¹ | Passivhaus-Institut |
| Altbau (unkontrolliert, schlecht) | 5–15 h⁻¹ | Messwert Bestand |
| Altbau (saniert) | 1,5–4,0 h⁻¹ | Typischer Messwert |
Für die Lüftungsplanung nach DIN 1946-6 ist der hygienisch erforderliche Mindest-Luftwechsel entscheidend:
| Lüftungsstufe | Funktion | Typische n-Werte |
|---|---|---|
| Lüftung zum Feuchteschutz | Vermeidung von Feuchteakkumulation | 0,25–0,30 h⁻¹ |
| Reduzierte Lüftung | Basiskomfort bei Abwesenheit | 0,30–0,40 h⁻¹ |
| Nennlüftung | Normaler Betrieb, dauerhaft | 0,40–0,60 h⁻¹ |
| Intensivlüftung | Kochen, Duschen, erhöhter Bedarf | 1,0–2,0 h⁻¹ |
Personenbezogene Anforderungen (DIN EN 16798-1, IDA 2): Mindest-Außenluftvolumenstrom pro Person: 36 m³/h = 10 L/s
Für ein Schlafzimmer (20 m², 2,5 m Raumhöhe = 50 m³, 2 Personen): Nennlüftung: n = (2 × 36 m³/h) / 50 m³ = 1,44 h⁻¹ (viel höher als Faustregel 0,5 h⁻¹!)
In der Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 wird der Lüftungswärmeverlust Φ_V berechnet:
Φ_V = n_min × V × ρ × cp × (T_i – T_e)
Mit:
Beispiel: Wohnraum 50 m³, n = 0,5 h⁻¹, ΔT = 32 K (20 °C innen, –12 °C außen): Φ_V = 0,5 × 50 × 0,34 × 32 = 272 W
Bei KWL-Anlage mit Wärmerückgewinnung (WRG-Grad η = 85 %) reduziert sich: Φ_V,WRG = 272 W × (1 – 0,85) = 41 W — eine Reduzierung um 85 %!
| KWL-Wärmerückgewinnung | Lüftungswärmeverlust-Reduktion |
|---|---|
| η = 70 % | –70 % |
| η = 80 % | –80 % |
| η = 90 % | –90 % |
| η = 95 % (Premium) | –95 % |
Messergebnis-Interpretation:
| n50-Wert | Bewertung |
|---|---|
| < 0,6 h⁻¹ | Passivhaus, sehr luftdicht |
| 0,6–1,0 h⁻¹ | Sehr gut (KfW 40) |
| 1,0–1,5 h⁻¹ | Gut (KfW 55, GEG mit KWL) |
| 1,5–3,0 h⁻¹ | Ausreichend (GEG Mindest) |
| 3,0–5,0 h⁻¹ | Schlecht (Sanierungsbedarf) |
| > 5,0 h⁻¹ | Sehr schlecht (Altbau) |
Der Blower-Door-Test ist für KfW-geförderte Gebäude (Effizienzhaus 40, 55) und für Passivhäuser Pflicht und muss durch einen zertifizierten Prüfer durchgeführt werden.
| Raumtyp | Empfohlener Luftwechsel | Norm / Quelle |
|---|---|---|
| Wohnräume (Dauerbetrieb) | 0,4–0,6 h⁻¹ | DIN 1946-6 |
| Schlafräume | 0,4–0,6 h⁻¹ | DIN 1946-6 |
| Küche (Normalbetrieb) | 1,0–2,0 h⁻¹ | DIN 1946-6 |
| Badezimmer | 2,0–5,0 h⁻¹ | DIN 18017-3 |
| Büro (BK IDA 2) | 3,0–6,0 h⁻¹ | DIN EN 16798-1 |
| Serverraum | 20–60 h⁻¹ | VDI 2078, Hersteller |
| Küche (Gewerbe) | 20–40 h⁻¹ | VDI 2052 |
| OP-Raum (Krankenhaus) | 15–20 h⁻¹ | VDI 6022, DIN 1946-4 |
Ja — für KfW-Effizienzhäuser 40, 55 und "Klimafreundliches Gebäude" ist ein Luftdichtheitsnachweis durch Blower-Door-Test Pflicht. Der Test muss durch einen akkreditierten Prüfer erfolgen, der ein Protokoll erstellt. Der Test kann in zwei Phasen durchgeführt werden: einmal während der Bauphase zur Fehlersuche und einmal nach Fertigstellung für die offizielle Messung.
Faustregel: Jeder Luftwechsel von 0,1 h⁻¹ (durch undichte Gebäudehülle) entspricht bei einem 200-m²-Wohnhaus mit 500 m³ Volumen, 60 Heiztagen und ΔT = 25 K etwa 80–120 kWh/a Mehrbedarf. Beim Übergang von n50 = 5,0 h⁻¹ (Altbau) auf n50 = 1,0 h⁻¹ (Neubau) kann die Infiltrations-Heizlast um 60–80 % sinken.
n ist die Betriebsluftwechselzahl bei tatsächlichen Bedingungen (Betrieb der Lüftungsanlage oder normales Windbild). n50 ist die normierte Leckageluftwechselzahl bei künstlich erzeugten 50 Pa — ein Prüfwert zur Vergleichbarkeit der Gebäudedichtigkeit. Aus n50 lässt sich die Infiltrations-Luftwechselzahl n_inf unter realen Bedingungen abschätzen: n_inf ≈ n50 / 20 (für windgeschützte Lage in der Mitte eines Mehrfamilienhauses) bis n50 / 10 (für exponierte EFH-Lage).